Misitunes
Nominiert als Bestes Label
Reden wir mal über die Musikszene im Jahre 2018. Damals war klar, dass in Hamburg nicht mehr alles beim Alten bleiben kann. Das Alte war zwar noch da und auch oft noch coolio, aber es gab auch viel Neues, was voll schnafte war. Also was tun, wenn man wollte, dass es neue Tonträger-Veröffentlichungen gibt?
Antwort: Gründe ein Label für abgehalfterte Jungprojekte und freshe Altvordere! So sagte es sich die leitende Etage der HANSEPLATTE (nämlich Jakob Groothoff und Sina Kelting) – und zum Glück hörten die beiden sich in diesem Augenblick selber auch zu. Und vor allem Jakob legte los: Erst mal den näheren Kreis und sich selbst veröffentlichen, wie das alle guten Labels tun und taten; das Gute liegt ja immer nahe. Dann zieht das Kreise, wirft Wellen, schafft eine motivierende „Let's do it"-Stimmung. Und plötzlich hat man sogar seine Helden oder grauen Stars auf dem eigenen Label. Wie schön ist das denn?
So entstand also das Label MISITUNES. Bislang erschienen ca. 45 Veröffentlichungen, hauptsächlich auf Vinyl, aber auch auf Kassette, und digital gibt es mitunter auch was.
Wie sich das alles anhört? Diese Frage ist verbal falsch gestellt, denn es gibt keinen einheitlichen Label-Sound, keine akustische Klammer oder eine soundästhetische Kohärenz. MISITUNES ist kein Gitarren-, Punk-, Elektronik- oder Reggae-Label – hat aber diese ganzen Styles im Portfolio. Wenn du Schubladen magst, kauf dir also lieber einen Schrank.
Es gibt aber eine Grundstimmung, eine gemeinsame Freiheit, eine einende Haltung innerhalb des Label-Kosmos, die man schon ganz gut skizzieren kann. Es gibt ja tolle und genauere Begriffe neben den Nullwörtern „spannend" und „interessant", als da wären: eigensinnig, bodenständig-abgehoben, unprätentiös, auch stur und auf jeden Fall warmherzig-unaufgeregt. Das ist MISITUNES alles.
Anders gesagt: Ein Label, das Künstler wie Arne Zank, Ausgestorben, David Nesselhauf, Der Bürgermeister der Nacht, Disaster Plan / Betty & Lynchmob, Die Maßnahme, DJ Sadface, Ed Sheeran, Frau Kraushaar, Jacques Palminger und 440 Hertz, Joachim Franz Büchner Band, Jens Rachut, kei.jto, Klotz & Dabeler, Knarf Rellöm (als Loadies Love, mit Arkestra, Trinity oder With The Shi Sha Shellöm), L Twills, LAFOTE, Le Reum, Manuel Scuzzo, MPC LAFOTE, Nico & Hans / Guzzi & Scuzzo, Rocko Schamoni, School Of Zuversicht, shatten, Tauben, Taylor Swift, The Kings Of Dubrock, Thomas Wenzel, Tom Liwa, Veranda Music, ZackiBoy und Zwanie Jonson auflistet – und da nicht mindestens zwei Ostereier versteckt hat, das hat offenbar Mut, Chuzpe und eine nicht uninteressante Idee von sich selbst.
Was die Zukunft bringt? Big-Selling-Platten von Heinz Strunk (von Kindern gesungen), den Flowerpornoes und Knarf Rellöm! Big interesting-Platten von Hummeln, DJ Sadface (mit „Depressive Antifa" drauf) oder Nala Tessloff!



