FRANK BULL

FRANK BULL

Gewinner Sonderpreis

Der VIA-Sonderpreis für besondere Verdienste für die unabhängige Musikbranche ging in diesem Jahr an Frank Bull (VOD-Records) für sein außergewöhnliches Engagement als Bewahrer und Chronist der unabhängigen Musikkultur. Seit über zwei Jahrzehnten prägt er mit visionären Editionen, unermüdlicher Leidenschaft und kritischer Stimme gegenüber der Branche das kulturelle Gedächtnis der DIY- und Independent-Szene.

Vita Frank Bull:
Geboren 1970, begann Frank Maier seine musikalische Reise 1979 mit einer Kassette von Alan Parsons („EVE“) und seiner ersten Schallplatte 1982 – „Five Miles Out“ von Mike Oldfield. Schon früh zog es ihn gleichermaßen in die Zukunft wie in die Vergangenheit: Während er als Student der Verwaltungswissenschaften in Konstanz (Schwerpunkt Informationsmanagement & Internationale Beziehungen) regelmäßig nach San Francisco flog, um dort rare Schallplattenkisten nach Hause zu holen, tauchte er gleichzeitig tief in die DIY-Musikkultur und Geschichte vergangener Jahrzehnte ein.

Parallel zum Studium arbeitete Frank als DJ im Club COSMOS, betrieb den Punk- und Live-Club BUNKER und war in der Konzertorganisation des Kulturufer Friedrichshafen tätig. Seine Diplomarbeit 1998 beschäftigte sich mit den Auswirkungen technologischer Entwicklungen auf die Struktur des Musikmarktes – eine Vorausschau auf das, was kommen sollte.

1998 gründete er mit record-price-guide.org ein pre-Discogs-Projekt zur digitalen Erfassung von Tonträgern, das an den rechtlichen Realitäten in Deutschland scheiterte. Es folgten Jahre als Projektmanager und später Vorstandsassistent bei einem digitalen Medienunternehmen in der New Economy. Nach dem Platzen der Dot-Com-Blase 2002 und einem MBA-Studium an der FU Berlin entschied er sich 2003 für die Selbstständigkeit – mit der Vision eines fairen Systems, in dem alle Akteure der musikalischen Wertschöpfungskette gleichberechtigt profitieren.

Seit 2004 veröffentlichte Frank über 200 Releases mit mehr als 1.000 physischen Medienformaten – von Vinyl, CDs und DVDs bis hin zu Büchern und Textilien. Sein Fokus liegt auf aufwendig gestalteten Retrospektiven der DIY-Kassettenkultur der 1980er Jahre, in denen Musik, künstlerischer Kontext und Zeitgeschichte zu einem Gesamtbild verschmelzen. Diese Editionen dokumentieren das Schaffen einzelner Künstler*innen und beleuchten ihre Bedeutung im kulturellen Umfeld ihrer Zeit.

2025 beendet Frank seine aktive Labelarbeit mit einem einzigartigen dreitägigen Festival, bei dem 18 Künstler*innen und Bands noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen – ein musikalischer Rückblick, aber auch ein bewusster Abschluss eines Kapitels, das über zwei Jahrzehnte Independent-Kultur geprägt hat.

Frank ist leidenschaftlicher Archivar und Sammler mit über 33.000 Tonträgern, darunter eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen mit über 12.000 Kassetten aus der internationalen DIY-Szene der 70er und 80er Jahre.

Was ihn antreibt? Es ist der Blick in die Weite, das Streben nach Zukunft – und zugleich das tief empfundene Bedürfnis, in die Vergangenheit einzutauchen. Zwischen analytischer Systematik und einem Hauch Sternenstaub bewegt sich Frank Maier stets an der Schnittstelle von Fortschritt und kulturellem Erbe, zwischen Zukunftsdrang und gelebtem Anachronismus.
Seit einigen Jahren tritt er zunehmend als kritischer Beobachter und lautstarker Mahner gegenüber der Major-Industrie auf – aus der Überzeugung, dass die Wertschöpfungskette der unabhängigen Musikszene unter dem wachsenden Marketingdruck globaler Konzerne leidet. Die kulturelle Vielfalt, einst aus dem Geist des Underground geboren, wird immer weiter an den Rand gedrängt und ökonomisch entwertet.